Diakonie gegen Kürzungspläne der Bundesregierung

„Kurzsichtig und sozialpolitisch verantwortungslos.“

Diakonie zu Kürzungsplänen von Bund, Ländern und Kommunen.

Nürnberg, 21. 04. 2026 „Wer bei jungen Menschen spart, spart an der falschen Stelle – und zahlt am Ende doppelt drauf.“ Deutliche Worte findet Diakonie-Vorständin Sandra Schuhmann für die jetzt bekannt gewordenen Kürzungspläne der Bundesregierung unter anderem in der Kinder- und Jugendhilfe. „Die Vorschläge folgen einer rein fiskalischen Logik. Sie fragen nicht danach, was Kinder und Jugendliche brauchen, sondern nur, was kurzfristig weniger kostet.“

Werden die Vorschläge aus dem Arbeitspapier von Bund, Ländern und Kommen, die am Wochenende bekannt wurden, umgesetzt, drohen aus Sicht der Diakonie Bayern massive Verschlechterungen für junge Menschen und ihre Familien. Konkret geht es etwa darum, individuelle Hilfen zur Erziehung durch pauschale Angebote zu ersetzen. Schuhmann: „Der Ansatz klingt auf dem Papier effizient, wird aber in der Praxis scheitern.“ Denn: Eine Familie, in der ein Elternteil psychisch erkrankt ist, braucht eine andere Unterstützung als ein Jugendlicher ohne Schulabschluss oder ein Kind, das Gewalt erlebt hat. „Diese Lebenslagen lassen sich nicht standardisieren“, so Schuhmann.

Besonders kritisch bewertet die Diakonie die Diskussion um die Einschränkung von Schulbegleitung und individueller Unterstützung für Kinder mit Behinderungen. „Wer diese Hilfen streicht oder verwässert, nimmt bewusst in Kauf, dass Teilhabe scheitert“, sagt Schuhmann. Die Vorstellung, Schulen könnten diese Leistungen einfach mit übernehmen, ignoriere die Realität vor Ort. Schon heute fehlten Personal und Ressourcen, um allen Kindern gerecht zu werden.

Auch die geplanten Einschnitte bei jungen Volljährigen stoßen auf deutliche Ablehnung. Künftig sollen Hilfen nach dem 18. Geburtstag eingeschränkt oder ins Ermessen der Jugendämter gestellt werden. Was technisch klingt, hat konkrete Folgen: Junge Menschen, die in Heimen oder Pflegefamilien aufgewachsen sind, verlieren oft genau dann Unterstützung, wenn sie eine Wohnung suchen, eine Ausbildung beginnen oder mit psychischen Belastungen kämpfen. „Viele dieser jungen Menschen haben kein familiäres Netz, das sie auffängt. Wenn die Hilfe wegfällt, stehen sie plötzlich allein da“, sagt Schuhmann.

Schon heute zeige sich, wohin das führen könne: Steigende Zahlen junger Wohnungsloser, abgebrochene Ausbildungswege, instabile Lebensverhältnisse. „Wer hier kürzt, verschiebt Probleme nicht – er produziert neue“, so Schuhmann. Die Diakonie Bayern sieht darin einen grundsätzlichen Fehlansatz. „Jugendhilfe ist kein Kostenfaktor, den man beliebig reduzieren kann“, betont Schuhmann. „Sie ist ein Frühwarnsystem für gesellschaftliche Probleme und gleichzeitig ein zentraler Baustein, um sie zu lösen.“ Wer hier spare, verschärfe bestehende Krisen und verursache langfristig höhere Kosten – sozial wie finanziell.

Aktuelle Entwicklungen unterstreichen diese Einschätzung. Studien zeigen eine wachsende psychische Belastung bei jungen Menschen; jedes vierte Kind gilt als belastet. Gleichzeitig fehlen vielerorts ausreichende Unterstützungsangebote. „In dieser Situation Leistungen zu kürzen, ist nicht nur kurzsichtig, sondern sozialpolitisch verantwortungslos“, so Schuhmann.

Hintergrund der aktuellen Debatte ist ein internes Arbeitspapier von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden, das unter dem Titel „Effizienter Ressourceneinsatz“ umfangreiche Einsparungen in der Kinder- und Jugendhilfe vorsieht. Ziel ist es, die steigenden Ausgaben zu begrenzen und Kommunen zu entlasten. Die Vorschläge setzen dabei vor allem auf die Reduzierung individueller Rechtsansprüche, stärkere Pauschalierung und strukturelle Veränderungen im System – ohne die Folgen für die betroffenen jungen Menschen ausreichend zu berücksichtigen.

 

 

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Veröffentlicht: 22. April 2026
Diakonisches Werk Würzburg e. V.