Am 11. September ist Tag der wohnungslosen Menschen

Diakonie Bayern: "Eine Notunterkunft ist kein Zuhause."

Nürnberg, 11.09.2026 – „Eine Baugenehmigung ist keine Wohnung, und eine Notunterkunft ist kein Zuhause. Wer Wohnungslosigkeit beenden will, muss bezahlbaren Wohnraum schaffen - und verhindern, dass Menschen ihre Wohnung überhaupt verlieren“, sagt Dr. Sabine Weingärtner, Präsidentin der Diakonie Bayern, zum Tag der wohnungslosen Menschen am 11. September. Wie dringend das ist, zeigen die aktuellen Zahlen: Zum Stichtag 31. Januar 2026 waren in Bayern über 40.000 Menschen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht. Knapp 10.000 von ihnen waren minderjährig, insgesamt ca. 14.000 jünger als 25 Jahre. Menschen, die auf der Straße leben oder vorübergehend bei Freunden und Bekannten unterkommen, werden in dieser Statistik allerdings nicht erfasst.

„Wer seine Wohnung einmal verloren hat, hat auf dem angespannten Wohnungsmarkt kaum eine Chance, wieder Fuß zu fassen“, so Weingärtner. Denn nach Einschätzung des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) fehlen im Freistaat rund 200.000 bezahlbare Wohnungen. Gleichzeitig aber ist der Neubau deutlich zurückgegangen: 2025 wurden in Bayern etwa 47.000 Wohnungen fertiggestellt – ein Minus von knapp 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Baugenehmigungen stieg im ersten Halbjahr 2026 zwar wieder um über zwölf Prozent an. „Das ist ein positives Signal. Entscheidend ist aber, dass aus Genehmigungen tatsächlich Wohnungen werden – und zwar solche, die sich auch Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen leisten können“, sagt Weingärtner. Bayern müsse deshalb den sozialen Wohnungsbau weiter deutlich ausbauen und dauerhaft dafür sorgen, dass mehr Wohnungen mit langfristiger Sozialbindung entstehen.

Kritisch sieht die Diakonie die geplanten Kürzungen beim Wohngeld. Der vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf sieht zum 1. Januar 2027 unter anderem vor, die reguläre Erhöhung des Wohngeldes auszusetzen, die Berechnungsformel für das Wohngeld zu verändern und die Heizkostenkomponente zu halbieren. Berechnungen zufolge werden etwa ein Drittel aller bisherigen Wohngeldhaushalte aus dem Bezug herausfallen. Weingärtner: „Wer bei der Sicherung des Wohnens spart, erhöht das Risiko von Wohnungsverlust. Prävention ist sozialer und letztlich auch günstiger, als Menschen nach dem Verlust ihrer Wohnung wieder zu einer gesicherten Wohnsituation zu verhelfen.“

Der Tag der wohnungslosen Menschen steht 2026 unter dem Motto „Hinschauen. Aktiv werden. – Gemeinsam gegen Wohnungsnot“. „Hinschauen allein reicht eben nicht“, sagt Weingärtner. „Wir brauchen Aktionen: mehr bezahlbaren Wohnraum, eine verlässliche soziale Sicherung und Hilfen, die einsetzen, bevor Menschen ihre Wohnung verlieren.“

Die Diakonie unterhält mehr als 200 Angebote der Wohnungsnotfallhilfe in Bayern. Eine Übersicht ist auf der Webseite der Diakonie Bayern (www.diakonie-bayern.de) zu finden. Im Rahmen des Aktionsplans „Hilfe bei Obdachlosigkeit“ des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales wurden mittlerweile an 29 Standorten verschiedene Modellprojekte zur Verhinderung bzw. Überwindung von Wohnungslosigkeit realisiert; mehr als 80 Prozent davon erhalten mittlerweile eine Regelfinanzierung durch die jeweiligen Kommunen.

Pressekontakt:
Daniel Wagner, Pressesprecher Diakonie Bayern
+ 49 911 93 54 205
Kathrin Linz-Dinchel, Projektleitung KADia
+ 49 911 - 9354-463
 
Mehr Informationen
Daniel Wagner | Pressesprecher
Tel: +49 911 93 54 205 | wagner@diakonie-bayern.de
 
 
Spendenkonto
Diakonie Bayern
IBAN: DE20 5206 0410 0005 2222 22 | BIC: GENODEF1EK1
 
Impressum
Herausgeber:
Diakonisches Werk Bayern e.V.
Pirckheimerstraße 6 | 90408 Nürnberg
Telefon 0911 93 54 – 0
Veröffentlicht: 09. September 2026
Diakonisches Werk Würzburg e. V.